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Kindesmissbrauch

 
Sexueller Kindesmissbrauch
Das Schweigen ist das zentrale Problem!

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs gibt es seit drei Jahren. Nun haben sie eine erste Zwischenbilanz ihrer Arbeit gezogen: "Die gesamte Gesellschaft hat versagt."

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat das Schweigen von Angehörigen und Freunden von Missbrauchsopfern als ein zentrales Problem beim sexuellen Missbrauch beschrieben.

Aus der Vorlage der Bilanz der ersten Laufzeit der Kommission geht vor allem hervor, "wie häufig das nahe Umfeld und die gesamte Gesellschaft versagt haben und Kinder nicht geschützt wurden."

Die Kommission stützt ihren Bericht auf den Kontakt zu 1.700 Missbrauchsopfern, die sich seit Mai 2016 gemeldet haben. Dabei wurden rund 900 vertrauliche Anhörungen vorgenommen und 300 schriftliche Berichte ausgewertet.

Die Taten fanden in allen gesellschaftlichen Bereichen statt, von der Familie über das nahe soziale Umfeld bis hin zu Schule, Kirche und Sport. Für Prävention und Kinderschutz ist es zentral, dem Schweigen von Familie und Freunden etwas entgegenzusetzen.

Die Kommission, bei der auch unsere Vorsitzende Sabrina Tophofen mitarbeitet, fordert, Mitarbeiter von Behörden, in der Justiz und bei den Krankenkassen auf den Umgang mit traumatisierten Menschen vorzubereiten und zu schulen. Pädagogen, Mediziner, Psychologen und Juristen müsse in der Ausbildung Grundlagenwissen über sexuelle Gewalt vermittelt werden.

Die Arbeit des 2016 eingesetzten Gremiums war zunächst auf drei Jahre begrenzt worden und wurde inzwischen bis Ende 2023 verlängert. Die Kommission ist vom Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, berufen worden.

Offiziell gibt es jedes Jahr rund 14.000 Fälle in Deutschland.

Dabei wird eine Dunkelziffer zwischen 1:15 (Bundeskriminalamt) und 1:20 (Kavemann und Lohstöter) angegeben. Es wird davon ausgegangen, dass nur etwa jeder 15. bis 20. Missbrauch zur Anzeige kommt, wovon jeder fünfte Fall zur Verhandlung kommt, d. h. nur ca. 1 % der Missbrauchsfälle kommen vor Gericht. Die Zahl der tatsächlichen Fälle beträgt demnach jährlich etwa 300.000,

Mädchen sind etwa drei- bis viermal häufiger von sexuellem Missbrauch betroffen als Jungen. Das Verhältnis weiblicher Täter zu männlichen soll Studien zufolge bei 1:9 liegen.


Sabrina Tophofen
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