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Nothilfe Mensch e. V.
Im Dienst der Menschlichkeit.

Presse

Rheinische Post v. 05.11.2018

Café mit Motto „Dein Name ist Mensch“

Krefeld. Das Begegnungscafé ist umgezogen. Seit dem 01. November findet man es an der Marktstraße. Im neuen Haus ist viel Platz. So gibt es auch eine Kleiderkammer, Schlafmöglichkeiten und Raum für Kinder- und Jugendprojekte.

Von Sven Schalljo

Vor wenigen Wochen berichtete die Rheinische Post über das Begegnungscafé an der Kölner Straße. Hier sollten vor allem Obdachlose, aber auch alle Menschen die Möglichkeit bekommen, sich aufzuhalten, eine Mahlzeit zu bekommen und einfach freundlich und gut aufgenommen zu werden. Doch seit Donnerstag ist es geschlossen – nicht aufgrund von Aufgabe oder finanziellen Problemen, sondern weil es derart gut ankam, dass es nun in bessere Räumlichkeiten zog. „Es ist noch immer wie ein Traum. Vor gut einer Woche kam Horst Renner von der Nothilfe Mensch auf mich zu und bot mir ein Haus auf der Marktstraße an. Wir haben dann diskutiert, wie wir alles organisieren, und sind umgezogen“, erzählt die Betreiberin Sabrina Tophofen.

Das neue Café bietet viel mehr Möglichkeiten als die alten Räumlichkeiten. Alles ist größer, schöner und wird, wenn Renovierungen abgeschlossen sind, vielen bedürftigen Menschen eine Anlaufstelle bieten. „Aber auch hier gilt: Wir wenden uns nicht nur an Obdachlose. Wirklich jeder ist willkommen, bekommt etwas zu Essen, Kaffee oder andere Getränke und darf sich hier aufhalten, solange er möchte“, sagt Tophofen. Dabei geht das Angebot über das reine Café hinaus. Dieses ist nun im Erdgeschoss des Hauses verortet. Hier findet sich ein Tresen und ein Aufenthaltsraum. Im Keller gibt es ein Büro, eine Dusche und bald eine Kleiderkammer.

Das neue Begegnungscafé befindet sich an der Marktstraße 59c zwischen Westwall und Breite Straße. Hier geht es durch eine Tordurchfahrt in einen Hinterhof, in dem das Haus mit Café und Jugendprojekt liegt. Tophofen arbeitet, unterstützt von dem Berliner Verein Karuna, mit der Krefelder „Nothilfe Mensch e. V.“ zusammen, die im Haus auch Veranstaltungen in der oberen Etage abhalten wird. Das Begegnungscafé ist 24 Stunden geöffnet.

„Dort werden wir gespendete Kleider wie in einem Geschäft sortiert anbieten. Bedürftige können dann selbst heraussuchen, was sie brauchen“, sagt die Helferin. „Wichtig ist uns vor allem, dass die Menschen sich ernst und wahrgenommen fühlen. Wer hier herkommt, der bekommt von uns mehr als nur ein Lächeln oder einen Schlafplatz. Unser Café steht unter dem Motto ‚Dein Name ist Mensch‘. Es gibt für uns nur Menschen. Keine Herkunft, kein Einkommen oder ähnliches“, erläutert die 37-Jährige ihr Konzept.

Doch damit nicht genug, in der ersten Etage soll es vier Zimmer geben, in denen Menschen ohne Wohnung ein Dach über den Kopf bekommen und einen Schritt in ein neues Leben gehen sollen. „Wir wollen hier in vier Schritten vorgehen: Drei Monate ankommen, dann weitere drei Monate einen Schritt in die Normalität gehen. Das beinhaltet das eigene Bett zu machen, regelmäßig frisch zu beziehen, die Bezüge zu waschen und zu bügeln und einen geregelten Tagesablauf zu entwickeln.“

Auch Körperhygiene steht hier auf dem Plan. Im dritten dreimonatigen Abschnitt sollen die Menschen dann Ziele formulieren, einen Jobwunsch äußern und sagen, was sie dafür brauchen. Im letzten Abschnitt geht es dann darum, Dinge mit Ämtern zu klären, vielleicht einen Job zu finden und eine eigene Wohnung zu suchen“, umreißt Tophofen ihren Plan, Menschen bei der Eingliederung in die Gesellschaft zu helfen.

In der oberen Etage möchte sie schließlich ein Kinder- und Jugendprojekt anbieten. Hierher können Kinder schon vor der Schule kommen, bekommen ein Frühstück und eine Lunchbox. Nach der Schule gibt es Hausaufgabenhilfe, Spiel und Spaß und verschiedene Projekte. Tophofen, selbst früher Straßenkind und Missbrauchsopfer, liegt vor allem das sehr am Herzen. „Wir wollen den Kindern möglichst gute Chancen bieten und ihnen helfen, eine gute Ausbildung zu erreichen“, sagt sie.

Der Clou: Abends, wenn die Kinder daheim sind, steht der Raum als Notschlafstelle zur Verfügung. „Gerade wenn es draußen kalt ist wie jetzt, wollen wir hier Menschen die Chance geben, im Warmen und Trockenen zu schlafen. Anfangs auf Isomatten und Schlafsäcken, die wir stellen. Langfristig würden wir gern aufklappbare Betten an den Wänden haben. Aber dafür fehlt das Geld. Wir suchen hier nach Spendern oder Helfern“, sagt die Aktivistin.

Mit Hilfe macht sie insgesamt aber sehr gute Erfahrungen. Über den Verein „It‘s for Kids“ kam sie an Handwerker, die die notwendigen Arbeiten für genannte Zimmer kostenlos ausführen. Übrigens: Wenn die Obdachlosen aus der Notschlafstelle morgens hinaus müssen, geht es nicht, wie in anderen Stellen, direkt in die Kälte, sondern sie können notfalls den ganzen Tag im Café verbringen. „Das ist meines Wissens nach die einzige Einrichtung dieser Art in Deutschland“, erzählt Tophofen.

Aktuell fühlt sie sich von all diesen Entwicklungen regelrecht überrollt. „Ich habe schon Angst. Bisher war alles mein eigenes kleines Projekt. Plötzlich ist es so viel größer. Das ist wunderschön, jagt mir aber gehörigen Respekt ein“, sagt die fünffache Mutter.

Wer sie aber beobachtet, der hat am Erfolg wenig Zweifel. Mit zehn Jahren als Straßenkind in Köln angefangen, zählt sie mittlerweile Berühmtheiten wie Hollywoodstar Ralf Möller (wir berichteten) oder den Sohn Helmut Kohls zu ihren Freunden. Kommenden Freitag wurde sie von Möller zu einer TOP-Party in Saarbrücken eingeladen, soll dort Spenden überreicht bekommen und ist überdies erfolgreiche Autorin.

Quelle: https://rp-online.de/nrw/staedte/krefeld/krefeld-cafe-unter-dem-motto-dein-name-ist-mensch_aid34269775?fbclid=IwAR0wghnbmXWNjR1zGrmZGhLbGJY_UJlLH_7KpFLFs6h9jOBkbZNYcYz65Wo







Der Kältebus der Obdachlosenhilfe fährt abends los, um Bedürftige vor der Eiseskälte zu schützen. Es gibt alle Hände voll zu tun.


Krefeld. Er heißt „Kältebus“, bringt aber Wärme. Für Wohnungslose ist diese angesichts extremer Minusgrade derzeit notwendiger denn je.
Mit Decken, Schlafsäcken, Isomatten und warmer Kleidung an Bord fährt der Kleinbus der Obdachlosenhilfe linker Niederrhein jeden Abend um 18 Uhr los, um Menschen auf Krefelds Straßen, die sich selbst nicht ausreichend schützen können, mit dem Notwendigsten zu versorgen. Auf dem Vereinsgelände an der Oberstraße in Uerdingen beladen Horst Renner und Rainer Holzmann den Bus.

Ein mobiler Heizlüfter, Thermoskannen mit Tee und Kaffee und eine Wärmebox mit heißem Essen gehören dazu.

„Bei diesen Temperaturen spenden die Leute viel“, sagt Renner. „Vor allem Mützen, Schals, Handschuhe und Decken.“ Es ist Viertel nach sechs, acht Grad unter null – Abfahrt! Aufmerksam beobachten die beiden Männer aus dem Auto die Umgebung. Nahe der Haltestelle Botanischer Garten hatte ein besorgter Bürger einen Hilfsbedürftigen gesehen. Renner und Holzmann statten einen Mann mit warmer Kleidung aus. Die Fahrt geht weiter Richtung Oppum.
Am Bahnhof finden Horst Renner und sein Kollege gegen 19 Uhr einen dankbaren Abnehmer für eine Isomatte und einen warmen Schlafsack. „Wir verstehen uns mit unserer Arbeit als Ergänzung zu den offiziellen Anlaufstellen der Stadt“, beschreibt Renner die ehrenamtliche Tätigkeit des Vereins. Er engagiert sich schon seit langem für sozial benachteiligte Menschen – seit 14 Jahren in der Obdachlosenhilfe am Niederrhein.

Bei der Obdachlosenhilfe linker Niederrhein in Krefeld engagieren sich 20 Personen. Für seine Arbeit ist der Verein auf Sach- und Geldspenden angewiesen.

Renner hat auch seinen alten Bekannten Rainer Holzmann „für den Verein rekrutiert“. Der 64-jährige Rentner aus Krefeld arbeitet seit fünf Jahren bei der Obdachlosenhilfe mit. „Meine freie Zeit als Rentner möchte ich sinnvoll nutzen“, sagt er.

Wir wollen die 17 Kältetoten des letzten Winters in diesem verhindern helfen“ Horst Renner, Kältemobil-Team

Die Todesfälle des letzten Jahres in Deutschland sowie die aktuellen Meldungen über erfrorene Menschen in Osteuropa hätten viele geschockt. Renner: „Wir wollen die 17 Kältetoten des letzten Winters in diesem verhindern helfen.“ Am Hinterausgang des Hauptbahnhofs fährt das Kältemobil gegen 20 Uhr vor. Etwa eine halbe Stunde lang erscheint niemand. „Viele Obdachlose sind bis zum Ladenschluss noch unterwegs. Einige sammeln Flaschen, manche schnorren“, sagt Horst Renner.

Zeit für Holzmann und ihn, von ihrer Arbeit zu berichten: Man müsse schon ein „dickes Fell“ besitzen, dürfe keine Berührungsängste haben. Und Geduld, die sei ganz wichtig. Im Umgang mit hilfsbedürftigen Menschen erlebe man dafür aber auch viel Dankbarkeit und Nähe.

Insgesamt schätzt Horst Renner die Zahl der Obdachlosen in Krefeld auf etwa 300 bis 400.

„Nicht mehr oder weniger als in anderen Städten dieser Größe.“ Die Zahlen seien leicht rückläufig. Es könnten sich nur Personen wohnhaft melden, die eine feste Adresse haben. „Und nur wer einen Wohnsitz hat, kann finanzielle Unterstützung (Hartz4) beim Amt beantragen“, sagt Renner. Er beschreibt damit einen Teil des Teufelskreises, in den Wohnungslose oft geraten.

Von offizieller Seite wünschen sich Renner und Holzmann mitunter mehr Unterstützung ihrer Arbeit, ob das etwa ausgesonderte Fahrzeuge oder Nachlässe für die Kfz-Steuer des Kältemobils seien. Allerdings: „Heute hat uns das Ordnungsamt immerhin eine Sonderfahr- u. Parkgenehmigung (etwa zum befahren der Fußgängerzonen) ausgestellt – und dies umsonst“, so Renner.

Kältebus ist voraussichtlich bis März unterwegs

Um 21 Uhr fahren die beiden weiter im Kältebus. Die Temperatur: neun Grad unter null. Ab jetzt sind Parks, Hauseingänge und andere leicht geschützte Plätze der Innenstadt ihr Hauptgebiet. Bis März werden Horst Renner, Rainer Holzmann und die zehn anderen des Kältebus-Teams wohl noch unterwegs sein. Jeden Tag abends von 18 bis mindestens 23 Uhr – oft aber über Mitternacht hinaus.

 

 


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